Call and response – oder wer tanzt hier eigentlich mit wem???

Standard

 

Salsa lernen mit Sarah von der Yerba Buena Dance Company

Salsa ist ein Paartanz. Daran lässt sich kaum rütteln, auch wenn es natürlich Möglichkeiten für Soloelemente gibt, und Footwork mindestens genau so wichtig ist wie Partnerwork. Dennoch, die Frage ist heute: Was macht die Verbindung zwischen den Partnern aus? Warum ist das so wichtig auch für meine Technik, und,  was zur Hölle soll dieser Egotrip eigentlich???

Entschuldigt bitte meine Wortwahl aber mir begegnet es einfach zu oft das ich sehe wie ein Paar zusammen tanzt und sich jeder der beiden nur um sich selbst kümmert. Auch passiert es ab und an das ich das Gefühl habe das der Mann nicht mit mir tanzt weil er mit mir tanzen möchte, sondern weil er zeigen will was er alles kann.

Ich zumindest habe wenig Interesse daran mit einem Mann zu tanzen der versucht die Leute um ihn herum zu beeindrucken auf Kosten der Verbindung zwischen uns. Liebe Männer, Liebe Frauen ebenso, bitte fahrt keinen Egotrip und tanzt miteinander. Warum das so wichtig ist hat mehrere Gründe:

1. Führen und Folgen

Die Berührung Eurer Hände, Blicke die sich treffen, aufmerksam darauf achten, wo der andere ist, spüren wo seine Bewegung hin geht. All das sind Elemente des Führens und Folgens. Wenn Du deinem Partner oder Deiner Partnerin also keines Blick würdigst während ihr miteinander tanzt, wie soll dann je alles funktionieren was Du Führen möchtest? Wie soll seine Führung bei uns ankommen wenn wir uns NUR darum kümmern wie wir selbst aussehen. Die Kunst ist sich gemeinsam zu bewegen. Der Zauber liegt darin auf den Partner zu reagieren und sich dadurch inspirieren zu lassen.

2. Call and response

Eins der wichtigsten Prinzipien aller südamerikanischen Rhythmen ist das „call & response“ Prinzip. Das bedeutet im Grunde nichts anderes als aufeinander zu reagieren. Sprich einer der Partner „schlägt etwas vor“ und der andere nutzt dies um darauf zu reagieren, zu antworten. Call & response bedeutet NICHT, das Du ein ganzes Lied Dein Soloprogramm abziehst, schön wenn Du das Lied besonders gut kennst oder Du besonders viel Footwork im Petto hast. Bringt aber alles nichts wenn das null Relation zu deiner Partnerin oder Deinem Partner hat. Hinsehen und Wahrnehmen ist das Zauberwort. Sowohl in der Partnerwork als auch bei Footwork. Mit einem egoistischen Partner der nur darauf bedacht ist den anderen zu zeigen was er oder sie kann tanzt keiner gern.

Natürlich kann man auch mal ein ganzes Lied gemeinsam Footwork tanzen aber wenn dann doch so das beide sich wohl fühlen.

3. Schau mir in die Augen kleines

Ja, das ist, zugegeben nicht immer leicht. Der eine ist einfach zu schüchtern, dem Anderen ist es eher unangenehm. Das kann schon mal zu seltsamen Situationen führen. Klar ist das man sich nicht die ganze Zeit in die Augen sehen muss um dem Anderen zu signalisieren das man mit der Aufmerksamkeit bei ihm ist. Ein Blick zwischendurch bringt aber etwas Würze rein und lockt auch mal ein Lächeln aus dem Partner. Besonders für uns Frauen habe ich festgestellt das es ein komplett anderes Bild ergibt wenn wir unsere Augen beim Partner behalten. Damit meine ich nicht nur „technische Blicke“, wie während Drehungen um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ein kleiner Blick zum Partner während eines Cross Body Leads erinnert auch ihn, sich nicht nur auf seine Führung zu konzentrieren. Es nimmt ihm den Druck MEHR tanzen zu müssen um uns zufrieden zu stellen und lockt ihn vielleicht auch ein wenig aus seiner Schüchternheit. Männer für Euch gilt das gleiche, sie mit einem Lächeln aus der Schüchternheit zu locken hilft Euch beiden besser zu tanzen. Nur noch eine kleine Sache: Nicht starren, das kann schon mal bestimmte Absichten vermuten lassen 😉

4. Solo oder Paar

Beides muss trainiert werden und beides muss vorhanden sein. Footworktraining ist also in diesem Falle genau so wichtig wie das Patnerworktraining. Hier lernt man Musikalität, Rhythmus Gefühl, und Ausstrahlung. Das Partnerworktraining zeigt Dir wie Du direkt mit dem Partner umgehen musst. Techniken zum Führen und Folgen sind hier neben dem Erlernen von Figuren Thema. Jeder hat natürlich seine Stärken auf einer der Seiten. Und wer gut in Footwork und Bodymovement ist, der will natürlich auch genau damit auf der Tanzfläche glänzen, ebenso ist es wenn jemand seine Stärken in der Partnerwork hat. Das ist verständlich und geht uns allen so.

Wenn Du keine Lust hast Dich auf Deinen Partner oder Deine Partnerin zu konzentrieren dann bleibt Dir immer noch allein zu tanzen. Sich vom Partner innerlich komplett abwenden und ihn nur als Plattform für deinen „Auftritt“ zu nutzen, ist einfach nicht ok. Für alle denen es schwer fällt weil sie vielleicht zu schüchtern sind: Es lohnt sich wirklich sich darauf einzulassen ganz und vollkommen zusammen zu tanzen. Wenn das wirklich funktioniert und man sich wirklich auf den Partner einlässt kann das wirklich ganz unbeschreiblich schön sein. Für mich sind das die Tänze die mir im Gefühl bleiben auch noch lange nachdem sie schon vorbei sind. Dies ist übrigens oft ganz unabhängig davon was der Mann mit mir tanzt, denn die Verbindung sollte nicht auf Kosten eines großen Figuren- oder Footworkrepertoires verloren gehen.

Ich hoffe das ihr alle die Vorzüge des Gemeinsamen genießt! Love, Peace & Salsa! 🙂

 

Advertisements